MultikuH – Erste Multikulturelle Kinder-Kunst-Woche in Hennef

Im Vorstand des Kinderschutzbundes Hennef hatten wir schon länger die Situation der Flüchtlingsfamilien in Hennef im Blick. Über 270 Flüchtlinge leben in Hennef. Das Besondere hier ist, dass es überwiegend Familien sind, die in Wohnungen überall im Stadtgebiet untergebracht sind. So finden sich immer viele hilfreiche Nachbarn, die bereit sind, die jeweilige Familie zu unterstützen. Wir vom Kinderschutzbund halfen bisher und helfen auch weiterhin ganz praktisch z.B. mit kostenloser Kleidung und Spielzeug aus unserem Kinderkleiderladen. Derzeit planen wir auch eine internationale Spielgruppe für Eltern mit kleinen Kindern. Aber ich hatte auch immer den Wunsch, einmal künstlerisch mit Kindern aus Hennef und Kindern aus anderen Länder zusammen zu arbeiten. Als dann Gertrud Wachendorf, pensionierte Kunsterzieherin, mit einer ähnlichen Idee an uns heran trat, nahm der Plan endlich Gestalt an.

Eine wichtige Rolle bei der Hilfe für Immigranten und Flüchtlinge spielt in Hennef die Begegnungsstätte INTERKULT der Stadt. Und die war es dann auch, die uns in unserer Idee einer multikulturellen Kunstwoche für Kinder unterstützte. Außerdem konnten wir den Bürgermeister von Hennef, Klaus Pipke, als Schirmherren gewinnen.

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Das Projekt brauchte einen Namen, und schnell war die „MultikuH“ gefunden, und von mir entworfen. Als Maskottchen erfreute sie sich auch großer Beliebtheit bei allen Beteiligten.

Der Termin der Aktion ergab sich aus unseren Urlaubsplänen, und als alles der Presse mitgeteilt war, fiel jemandem auf, dass das die letzte Woche des Ramadan war, und da mussten wir erst einmal überlegen, ob das denn alles so ging, mit Freitag als Abschlussfest, und ob schon Kinder fasteten. So ist das eben bei multikulturellen Veranstaltungen, vieles muss man einfach mal vorher besprechen, und das Gewohnte hinterfragen.

Ein großer Künstlerfachmarkt unterstützte und ebenfalls mit einer Spende.

Da alle Beteiligten ehrenamtlich halfen, und wir neben einer großzügigen privaten Spende auch ein paar Sponsoren gewinnen konnten, konnten wir die Woche für alle kostenlos anbieten.

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Dank Unterstützung von Sponsoren gab es für alle auch einen kostenlosen Snack zur Pause

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Auch ein großer Künstlerfachmarkt unterstützte uns mit einer Spende.

Insgesamt waren 26 Kinderund Helferinnen aus 10 Ländern (Ägypten, Iran, Afghanistan, Syrien, Vietnam, Pakistan, England, Indien, Georgien, Kosovo und Deutschland) vertreten.

Ich hatte einen Begrüßungskanon heraus gesucht „Guten Morgen! Good Morning! Buenas Dias! Calimera!“, und fragte erst einmal ob jemand spanisch oder griechisch sprach. Nein? Gut, dann mussten wir das ersetzen. So wurde das Lied zu: Guten Morgen! Sabah al-Kheir! As-salāmu ‚alaikum! Mirëmëngjes!

Ich hatte geplant, dass jeder ein Buch zum Thema Freundschaft erarbeitet. Wer eher fertig wäre, könnte dann noch einen Stempel aus Moosgummi für den Umschlag anfertigen und danach auch noch einen Anhänger als Lesebändchen basteln. Dazu würde ich jeden Tag ein Bilderbuch vorlesen.

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Es stellte sich heraus, dass sich so ein abstraktes Thema wie Freundschaft den Kindern, die nicht so gut deutsch sprachen, nicht leicht vermitteln ließ. Mir viel auf, wie viel ich eigentlich in solchen Workshops die Sprache benutze, um den Kindern mit ihren Ideen auf die Sprünge zu helfen. Mir ist es wichtig, dass die Kinder selber Ideen entwickeln, und ich ärgerte mich wirklich, dass ich das nicht ausdrücken konnte. In meiner Gewohnheit, alles in „meterlangen“ Sätzen zu erklären kam ich mir unendlich „deutsch“ vor. Aber ich war sehr froh über diese Erfahrung, schließlich ging es ja genau um diese Art der Begegnung.

Im Workshop Gertrud Wachendorf, schnitten die Kinder währenddessen wunderschöne bunte Collagen aus, das war auch großartig anzusehen.

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Mit den Büchern waren wir viel schneller fertig, als ich erwartet hatte. So starteten wir schon am Mittwoch mit dem Gemeinschaftsprojekt: Aus einer langen Papierrolle hatte ich ein Leporello gefaltet, das, auseinander gefaltet, ca. 8 m lang einmal quer durch den Raum ging. Thema „Die Multikuh auf Weltreise“. Jeder malte eine Doppelseite, jeder ein anderes Land. Das machte allen viel Spaß und die Kinder arbeiteten so begeistert, dass wir schon zur Frühstückspause fertig waren.

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So hatten wir noch Gelegenheit, ein kleines Assoziationsspiel zum Thema „Nacht“ zu machen, und mit Buntstiften auf schwarzem Papier ereignisreiche Nachtgeschichten zu erzählen.

Nachdem es mit allen geplanten Arbeiten so schnell vorangegangen war, hatte ich für Donnerstag gar keinen Plan, was war noch machen könnten. Ratlos saß ich am Abend vor dem Fernseher. An diesem Abend lief „Die syrische Braut“. Ein bewegender Film über eine drusische Familie. Ich dachte über uns nach, unsere Gruppe, wie wir ganz selbstverständlich zusammen gearbeitet hatten. Wir hatten zusammen gemalt, gesungen und hatten Spaß. Unsere Verschiedenheit war gar nicht Thema gewesen in diesen Tagen. Obwohl sich viele vorher gar nicht kannten, waren wir gleich eine Gruppe gewesen. Die Kinder halfen sich gegenseitig, wenn sie das richtige Wort nicht fanden, reichten sich Schere, Spitzer und Radiergummi. Das hört sich jetzt vielleicht belanglos an, weil es uns oft so selbstverständlich scheint. Aber das ist es leider nicht. Das wurde mir wieder klar, als ich den Film „Die syrische Braut“ sah, in dem es um Grenzen in der Welt und in unseren Köpfen geht. Und als ich an diesem Abend noch von neuen Übergriffen auf Asylbewerberheime in Deutschland hörte, was mich immer wieder unendlich traurig macht, empfand ich große Dankbarkeit für die vergangene Woche.

Hier, in unseren Workshops, waren wir einfach nur verschiedene, kreative Menschen, die jeder auf seine Art etwas in Bildern ausdrückten. In der Kunst ist Verschiedenheit, Einzigartigkeit ganz natürlich, ja eigentlich Pflicht.

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Ich fertigte Kleine Skizzenbücher an. Am nächsten Morgen gab ich jedem Kind ein Buch und bat alle, ihren Namen darauf zu schreiben, dann sollte jeder in jedes andere Buch etwas für das jeweilige Kind malen. Ich gebe zu, es gab auch ein paar Seiten, wo Kinder hineingeschrieben hatten „Ich fand dich nicht so nett“. Nun, auch das muss es wohl geben.

Zum Abschluss bekam jedes Kind auch eine Teilnahmeurkunde.

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Am Freitag war unser großes Abschlussfest. Wir sangen noch einmal für unsere Gäste unseren Kanon und unser Willkommensgruß wurde von den Kindern in verschiedene Sprachen übersetzt. Ein Mädchen hatte die Hände wunderschön mit Henna bemalt und ich hatte sie gebeten, den Gästen zu erklären, wie sie heute das Ende von Ramadan feierten. Sie redete völlig frei und selbstbewusst vor allen. Ein großartiges Mädchen. An dem Tag hatte ich auch noch einmal Gelegenheit, mit ein paar Kindern zu reden, sie zu fragen, wie sie nach Deutschland gekommen waren und wo sie gerne leben würden und auch ihre Eltern kennen zu lernen.

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Die selbst gebundenen Bücher zum Thema Freundschaft

Leporello

Das große Leporello

Bei unserem Fest waren auch Vertrete der Stadt Hennef und der Presse. Alle lobten das schöne Projekt. Das war natürlich ein schönes Gefühl, aber der Anblick der Arbeiten der Kinder war noch schöner. Gertrud Wachendorf und ich waren kurz vorher noch einmal gemeinsam durch die Ausstellung gegangen und waren beide bewegt und begeistert von den Werken der Kinder. So viele tolle Ideen!

Wir waren sehr glücklich und wollen die Aktion im nächsten Jahr gerne wieder machen.

Fotos: Caspar Armster & A.K. Birkenstock
Gruppenfoto: Anne Peters

Presseberichte:
Extrablatt Hennef: http://www.extra-blatt.de/rag-vwp/docs/1142212/hennef

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